Psychopharmaka

Eines möchte ich gleich vorweg sagen: Jeder sollte selbst, für sich selbst, entscheiden ob er Psychopharmaka nehmen will. Ich will hier niemanden dazu raten noch davon abraten. Möchte jedoch über persönliche Überlegungen schreiben und auch auf "Dinge" hinweisen die man üblicherweise nicht selbst sofort bedenkt, die man auch so nicht gesagt bekommt.

 

Psychopharmaka sind Medikamente für die "Psyche" die "Seele".

Mittlerweile gibt es gegen fast jede psychische "Krankheit" eine Pille. Nur ist es wirklich jedes mal gleich eine "Krankheit" im psychiatrischem Sinne oder sind es eher Probleme die uns veranlassen das wir ein Psychopharmakon nehmen. In der Psychiatrie habe ich einige male erlebt das bei fast jedem "Pups" ein Medikament verschrieben wurde, meist zu beginn des Aufenthaltes zum Teil auch weil Patienten den Aufenthalt gegen der Empfehlung des Psychiaters abbrechen wollte oder weil der Psychiater der Meinung war das der Patient zusätzliche medikamentöse "Unterstützung" brauchen würde. In Erinnerung ist mir eine junge Frau die nach einem epileptischen Anfall von der neurologischen  auf die psychiatrischen Station verlegt wurde und dort wegen ihrer, angeblichen, "Aufgedrehtheit"  Psychopax-Trropfen ( ein Benzodiazepin) verordnet wurden. Ich kannte die junge Frau zufälligerweise von einer früheren Arbeit. Mir viel an ihrer Art nichts weiter auf außer dass sie etwas "lebendiger" bzw "fröhlicher" war, jedoch weit entfernt von einer Überaktivität oder gar Manie. Das viel aber auch nur auf weil das eine Station mit sehr vielen Depressionspatienten war. Damit möchte ich sagen das man nicht jede persönliche "Eigenheit", nein Eigenheit ist falsch formuliert, jedes individuelle Persönlichkeitsmerkmal, jeder Teil der des eigentlichen "Ichs" dass das selbst den Menschen ausmacht und ihn so von den anderen Menschen unterscheidet, mit Psychopharmaka verändert werden sollte oder richtiger gesagt verändert, manipuliert und angepasst werden darf.
Wieso wird ein "anders sein" überhaupt mit Psychopharmaka angepasst? Ärzte verordnen Psychopharmaka, klären aber in den seltensten Fällen wirklich den "Patienten" über das Medikament auf. Fragt man selbst nach wird man zumeist mit standard Antworten "abgespeist": Neuroleptkia machen am Anfang ein bisschen müde, Antidepressiva können Übelkeit verursachen oder das man weniger/mehr Appetit entwickelt. Das alles aber nur zu beginn und diese Nebenwirkungen vergehen in den meisten Fällen nach ein paar Tagen oder Wochen ganz von alleine wieder. Ärzte haben zu wenig Zeit, wissen es nicht besser oder wollen es nicht wahr haben dass das so nicht stimmt. Zuhause liest man meist den Beipackzettel und ist erstaunt über die lange liste der Nebenwirkungen. Man ist verunsichert und geht eventuell nochmals zum Arzt um nachzufragen. Der Arzt wird schon mal "ärgerlich" und erklärt das im Beipackzettel alle jemals aufgetretenen Nebenwirkungen stehen müssen selbst wenn es nur "Einzelfälle" gewesen waren. Man kommt sich "störend" vor.
Mir wurde in bei meinen 6 Aufenthalten in der Psychiatrie sage und schreibe 1x erklärt welche Nebenwirkung das verordnete Medikament haben kann. Genannt wurden mir genau 2 oder 3 bei einem Neuroleptikum, das waren: Müdigkeit, völlig harmlose Muskelzuckungen und eventuell verminderte sexuelles Interesse. (Eigentlich eine bodenlose Frechheit!). In der Mehrzahl der Fälle wurde mir nur der Medikamentenname genannt (wenn überhaupt), keine Dosierung, keine Nebenwirkung keine Langzeitfolgen. Es hieß dann lapidar "zur Entspannung bekommen sie XXX zusätzlich." falls überhaupt eine Medikamentenname genannt wurde. Nicht selten wurde gar nichts gesagt und man bekam einfach eine Infusion angehängt ohne weitere Erklärung oder bekam  die eine oder andere Pille zusätzlich in die Hand gedrückt.
Bei mir hatten die Psychopharmaka zum Teil extremste Nebenwirkungen, leider weis ich das erst seit relativ kurzer Zeit. Antidepressiva lösten bei mir erst die wirklich schweren Depressionen aus, zusätzlich stellte sich eine quälende Unruhe und Anspannung ein. Vorher nicht vorhandene Selbstmordgedanken stellten sich hinzu, die Anspannung wurde derart unerträglich das ich zu selbst verletzenden Verhalten/ Selbstzerstörung neigte. Das wurde aber nicht als Nebenwirkung des Antidepressivums erkannt sondern als weiteres Symptom der Depression. Es folgten weitere, stärkere Antidepressiva und Benzodiazepine und später auch Neuroleptika. Je schlimmer die Nebenwirkung ums so höher die Dosis und so stärker die Medikamente. Logischer weise je stärker die Medikamente um so stärker die Nebenwirkungen. Irgendwann wird man entlassen, Der Hausarzt verordnet die Medikamente wie die Psychiatrie vorschlägt weiter auch der Psychiater bleibt dabei und gibt eben den Ratschlag ich muss eben geduldig sein und bestellt mich in 3 Monaten wieder. Völlig verzweifelt versuchte ich die Medikamente abzusetzen, leider ohne Anleitung und von jetzt auf sofort. Das konnte nur in einer Katastrophe enden. Nebenwirkungen der Medikation waren bei mir: schwere Depressionen, Selbstmordgedanken und Handlungen, Angstzustände, völlige Unfähigkeit meinen Alltag auch nur im geringsten zu bewältigen, starke Unruhe und Anspannung, ständiger Grübelzwang, schwere Schlafstörungen, kaum Konzentrationsvermögen und eine extreme Gewichtszuname ( wobei extrem noch an Untertreibung grenzt!). Ich muss ja nicht erst erklären das diese Symptome größtenteils nicht und wenn dann ins sehr schwacher weise vor dem Einsatz der Psychopharmaka vorhanden waren. Mir ging es erst wieder besser als ich es endlich erfolgreich schaffte die Antidepressiva abzusetzen. Einige Symptome sind in abgeschwächter Form geblieben andere in der von den Antidepressiva ausgelösten Form vollständig erhalten worden. Lange Zeit hielt ich das nicht für möglich, hielt mich für einen Einzelfall. Dass das so nicht stimmt weis ich erst seit relativ kurzer Zeit. -- Ich bin Abgeschweift!
Die Verlockung ist jedenfalls sehr groß dem Arzt zu glauben. Man braucht nur eine Tablette zu schlucken und alles wird in kurzer Zeit wieder gut. Ein fataler Irrtum den ich leider auch erlegen war. Man schluckt brav seine Tablette oder Vielleicht auch Tabletten und funktioniert so irgendwie weiter. Eventuell fühlt man sich erstmal auch besser. Hier liegt auch die große Gefahr. Die Probleme weswegen ich die Psychopharmaka nehme verschwinden im Allgemeinen nicht von selbst. Wenn ich Pillen schlucke werden meine Kollegen nicht freundlicher, meine Arbeit nicht weniger stressig nicht "Sinnvoller´", meine Schulische Leistungen nicht besser, das Mobbing wird nicht aufhören und ich werde nicht mehr Freunde finden, Mein Lebenspartner wird nicht "lieber" zu mir. Psychopharmaka führen aber dazu das mir das alles nichts mehr "Ausmacht" es wird mir irgendwie egal, interessiert mich nicht mehr. Ich werde "gedämpft" in meiner Wahrnehmung, sozusagen "benebelt" ohne es wirklich zu merken. Der Arzt versichert auch immer wieder das die Medikamente nicht abhängig machen, naja Einige halt nicht. Trotzdem sollten Psychopharmaka nicht abrupt abgesetzt werden, es treten sonst fast immer Absetzsymptome auf. Absetzsymptome hört sich nicht weiter schlimm an, Tatsache ist aber das es nichts anderes ist als ein Entzug mit den gleichen Symptomen. Der feine unterschied zwischen Absetzsymptomen und Entzugserscheinungen ist das bei Absetzsymptomen kein Verlangen nach dem ursprünglich eingenommenen  Medikament entsteht. Mir persönlich war dieser subtile Unterschied ziemlich egal als ich mit Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen bei gleichzeitigem frieren, "krank fühlen" wie bei einer Grippe, Übelkeit, Magenbeschwerden, dem Gefühl von "Stromschlägen" im Gehirn, Gereiztheit, dem Gefühl verrückt zu werden, die dritte Nacht in Folge in der Wohnung auf und ab lief weil ich keinen Schlaf mehr fand, und das weil ich ein "harmloses" Antidepressivum schlagartig abgesetzt hatte. Bei Benzodiazepinen treten im übrigen "echte" Entzugserscheinungen auf. 
Ein sehr großes Problem für mich war immer und ist immer noch, gerade jetzt wieder, die Frage in wie weit Psychopharmaka meine Persönlichkeit also mein Ich verändern oder beeinflussen. Ich muss mich Fragen: bin das jetzt wirklich ich der das so Sieht und diese Meinung darüber hat, bin ICH wirklich ICH selbst oder ist es das Psychopharmakon das mich so denken lässt das mich "etwas" "so" sehen lässt, so "erfassen", so "verarbeiten" lässt?
Psychopharmaka können durchaus helfen,können stützenden wirken um eine "schwere" Zeit zu durchstehen. Jeder der Psychopharmaka in irgend einer weise nimmt muss aber wissen das er das Psychopharmakon irgendwann wieder absetzen wird müssen, in dieser Zeit seine "Probleme"gelöst haben wird müssen und muss auch wissen das es womöglich nicht leicht sein wird das Psychopharmakon wieder abzusetzen. Oder aber man muss sich eingestehen das man womöglich bis zu seinem Lebensende mit dem Psychopharmakon und dessen "Wirkung" leben wird müssen, das man immer diese Krücke brauchen wird, was aber nicht immer möglich sein wird und unter umständen auch zu einem "zwangsentzug" führen kann. Zb wenn ein Arzt das Medikament nicht mehr weiter verschreiben will oder das Medikament vom Markt genommen wird. Die Gefahr das Pillen zum "Problemlöser" werden möchte ich noch kurz ansprechen. In vielen Situationen verlässt man sich auf seinen "kleinen Chemischen Helfer", Stress bei der Arbeit in der Schule, Einschlafprobleme, unangenehme Situationen lassen uns zugreifen. Weil es "einfacher" ist oder die Situation aushaltbarer macht. Gleichzeitig werten wir junkys und Säufer als unteren Bodensatz unserer Gesellschaft weil sie ihre Probleme ihre Realität mit "Stoff" verdrängen. Nur was Dem Junky sein Heroin, Koks, LSD ist und dem Säufer sein Schnaps, Bier, Wein das sind uns unsere Benzodiazepine, Tranqullizer, Beruigungsmittel, Schlaftabletten und all die anderen Psychotropen "Substanzen" die wir so täglich "konsumieren".