Psychiatrie "Allgemein"- eine Kritik
Nun was soll ich über die Psychiatrie noch schreiben was auf dieser Homepage
noch nicht gesagt wurde? Sicher ist das die Psychiatrie die Geister der Menschen
scheidet. Was für den einen als akzeptable "Maßnahme" gilt wird der andere (ich)
als Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.
Sicherlich hängt das sehr stark davon ab von welchem "Standpunkt" man diese
Maßnahmen Betrachtet.
Die einen welche Zwangsmaßnahmen wie Fixierungen, Zwangsmedikation für notwendig
halten sind sicherlich die Behandler sprich Psychiater, Psychologen,
Pflegekräfte. Auch auf der "anderen Seite" sprich den Patienten gibt es nicht
wenige die solche Maßnahmen gut heißen. Die meisten sind sich gar nicht darüber
Bewusst wie schnell sie selbst in diese Lage geraten können vor allem auf
Akutstationen. Ein Beispiel das so ähnlich immer wieder vorkommt: Patient 1
sitzt in seinem Bett und will in Ruhe ein Buch lesen. Patient 2 kommt ins Zimmer
und will sich unterhalten. Pat1 sagt er will in Ruhe lesen. Pat2 will aber
unbedingt mir jemanden reden und er redet auch. Pat1 wird unruhig und langsam
wütend, er versucht Pat2 zu ignorieren. Auch Pat2 wird wütend und fängt an Pat1
das Buch aus der Hand zu schlagen und das öfters. Pat1 ist sauer und fängt an
mit Pat2 zu schreien. Dieser schreit zurück und fängt an zu schubsen. Pat1 wehrt
sich dagegen. Letztendlich werden beide Patienten fixiert da ja beide
"aggressiv" sind. Wenn Pat1 sich darüber wärend der Fixierung beschwert
wird ihm damit gedroht das er später nicht auf die Toilette dürfe oder es wird
ihm mit einer "Spritze" gedroht.
Eine Fixierung (Fesselung) muss von einem Arzt angeordnet werden er kann das
jedoch vorsorglich oder auch nachträglich machen. Das "einfache" Pflegepersonal
entscheidet darüber ob und wie lange jemand fixiert wird. In gewissem Sinne
entscheiden auch das einfache Pflegepersonal darüber wer eine "Spritze" kriegt
sprich sediert bzw. "nieder gespritzt" wird.
In einen wenigen Fällen wird dieses Vorgehen auch "notwendig" sein z. b. bei
akuter selbst oder fremd Gefährdung. Nur in diesen Fällen ist das auch
gesetzlich erlaubt. Die Realität sieht jedoch meist ganz anders aus.
Ein anderer Fall der öfters vorkommt: Du wirst wegen Selbstmordgefahr unter
"Suizidbeobachtung" gestellt. Das bedeutet es ist ständig jemand in deiner
Nähe,
auch auf der Toilette beim Duschen usw.. Hat die "Aufsichtperson" mal keine Zeit
weil er auch auf andere Patienten schauen muss oder weil sich das gesamte
Personal mal zum "Arbeitsfrühstück" zu einer mehrmals täglich stattfindenden
Besprechung oder zum gemeinsamen Mittagessen oder Kaffeepause versammelt. So
wirst du vorsorglich Fixiert. Egal ob du zu diesem Zeitpunkt ganz ruhig Fern
siehst oder eine Zigarette rauchst oder nur ein Buch liest.
Wenn du Glück hast wirst du vor dem Schwesternzimmer auf dem Gang abgestellt wo
man dich auch sieht und zwar jeder egal ob Mitpatient, Besucher oder die eigenen
Kinder die dich besuchen wollen. Glück deshalb weil es durchaus auch vorkommen
kann das du Nachts in deinem Zimmer fixiert wirst und dein Nachbar dir ein paar
aufs Maul haut weil du ihm am Nachmittag keine Zigarette gegeben hast oder weil
deine Protestrufe seinen Nachtschlaf stören. Ich habe das Persönlich genau so
mit erlebt. Oder du liegst in der Fixierung und musst um einen schluck Wasser
betteln, weil die Medikamente deinen Mund und deine Kehle austrocknen. Kennst du
das Gefühl das jeder Atemzug deswegen schmerzt, vom schlucken ganz zu schweigen.
Oder du musst nach Stunden der Fixierung auf die Toilette. Je mehr du schreist
um so geringer deine Chance los gebunden zu werden. Vielleicht wurde dir aber
auch vorsorglich eine Windel angezogen. Solltest du allerdings irgendwelche
Juckreize verspüren ist das dann auch dein Problem.
Vielleicht bist du ja auch nicht physisch gefesselt. Womöglich hat man dir eine
"Spritze" verpasst. Wenn du Glück hast schläfst du 1-2 Tage und läufst im
Anschluss eine Zeit lang als "Zombie" herum. Was aber auch "passieren" kann: du
hast starke Schmerzen im ganzen Körper weil sich deine Muskeln von der hohen
Neuroleptika Dosis verkrampfen. Noch nicht mal um Hilfe rufen kannst du weil ja
auch deine Kiefer verkrampft sind.
Das die Behandler das Alles nicht wahr haben wollen währe schlichtweg gelogen,
schließlich "profitieren" sie ja davon. Je mehr ein Patient nach der Fixierung
oder anderen Zwangsmaßnahmen "gebrochen" ist umso länger haben sie Ruhe auf der
Station. Je lauter ein Patient in der Fixierung um Hilfe schreit um so mehr sind
die anderen Patienten eingeschüchtert und je eingeschüchterter ein Patient ist
um so ruhiger ist er auch und wird sich hüten irgendetwas vom Pflegepersonal zu
"wollen".
Das wahren jetzt schwerwiegende Vorfälle, ich weiß und meistens passiert so
etwas auf "Akutstationen".
Aber auch auf offenen Stationen ist es nicht unbedingt "besser". Wenn sich
jemand nicht an die "Regeln" hält so riskiert es derjenige relativ leicht auf
die geschlossene zu kommen.
Die in allen Psychiatrien geltende Ausgangsregelung zu beginn eines Aufenthaltes
ist meiner Meinung nach ein Grund zur Kritik! Auf einer psychiatrischen
Station, selbst wenn du "freiwillig" dort bist, darfst du zu beginn des
Aufenthaltes die Station nicht wieder verlassen. Nach ein paar Tagen dann in
Begleitung und irgendwann dann auch alleine. Allerdings zunächst nur für ca.
15-30 Minuten am Tag. Diese Ausgangsregelung gilt prinzipiell für jeden
"Patienten" egal welche Diagnose auch gestellt wurde/wird. Hältst du dich nicht
daran droht entweder eine Unterbringung und später noch eine Verlegung auf die
geschlossene oder der Rauswurf aus der Klink. Je nachdem wie "Krank" du bist.
Jeder gilt also für die Behandler erstmals als "Gefährlich" und man muss ja
schließlich die Allgemeinheit vor all den Verrückten Triebtätern, Massenmördern
und potenziellen Selbstmördern aus der Psychiatrie schützen.
Auch entzieht sich mir der Sinn von einigen der in Psychiatrien üblichen
"sozialtherapeutischen Aufgaben". Das sind Dienste auf der Station die die
Patienten abwechselnd übernehmen müssen. Die Dienste reichen vom Essen
verteilen, Blumen gießen bis zum ausleeren der Mülleimer auf der Station,
wegschaffen des gesammelten Mülls und ausfegen von Böden usw. auch mussten Nachts
Patienten bei der Medikamentenausgabe mithelfen(!!!!). Ich bin der Meinung das
einige dieser Dienste nur dazu da sind um Arbeitsaufgaben des
Pflegepersonals/Reinigungskräften auf die Patienten abzuwälzen mit anderen
Worten ausgedrückt um die Bequemlichkeit sprich Faulheit der Pflegekräfte und
des Reinigungspersonals zu unterstützen. Aus diesem Grunde habe ich mich während
meiner letzten Aufenthalten auch konsequent dagegen gewährt solche "Dienste" zu
übernehmen.
Vielleicht wird aber auch auf Grund des Gleichstellungs- Gesetztes von
Psychischkranken zu Normalen Kranken es eines Tages üblich das auch auf anderen
Stationen solche Dienste einzuführen. z.B. könnten ja frisch Operierte in der
Chirurgie die Mülleimer ausleeren oder den Eingangsbereich zur Station fegen.