Mein erster Aufenthalt auf einer psychiatrischen Station
Etwas Mulmig war mir schon als ich ins Krankenhaus gefahren bin. Schließlich
sollte ich in die Psychiatrie. Ein paar Tage vorher war der Psychiatrische Not
und Krisendienst bei mir zu Hause . Meine Freundin hatte ihn gerufen weil sie
sich große Sorgen um mich machte. Sie wollten das ich noch am selben Abend mit
ihnen ins Krankenhaus fahre das lehnte ich jedoch ab. Ich wollte erst noch mal
darüber Schlafen, Schlafen ist gut gesagt seit Monaten hatte ich kaum mehr eine
Nacht richtig geschlafen. Gedanken an den Selbstmord raubten mir den Schlaf.
Will ich wirklich Hilfe oder soll ich mich nicht besser gleich umbringen ?
Dachte ich bei mir als ich an der Türe zur Psychiatrie stand und nicht wusste ob
ich reingehen sollte oder nicht. Wie können die mir helfen, hat es überhaupt
noch einen Sinn, was erwartet mich, ist es wirklich so wie die Leute vom
Krisendienst erzählt hatten oder wird es so sein wie ich es mir vorstellte in
meiner naiven Meinung über die Psychiatrie?
Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging durch diese verdammte Tür. Zuerst
konnte ich mich nicht zurechtfinden, also fragte ich kurz in der Ambulanz nach
die schickten mich auf die Aufnahme Station. Ich ging auf die mir genannte
Station , niemand war zu sehen. Ich ging zum Schwesternzimmer, erzählte einer
Schwester meine "Geschichte" sie wahr freundlich bat mich kurz am Gang Platz zu
nehmen und sie wolle gleich den diensthabenden Arzt bescheid sagen. Ein paar
Minuten später war der Arzt da. Vom Aussehen her erinnerte er mehr an einen aus
der Hippie Zeit. Lange Haare, abgetragenen Jeans und der obligatorische weiße
Mantel. Er bat mich ins Untersuchungszimmer fragte ob ich was zu trinken wolle,
er war überraschend freundlich und nett. Wir redete kurz mit einander ich
erzählte von meinen Depressionen und den Selbstmordgedanken. Über meine
Selbstmordgedanken wollte er mehr wissen doch ich blockte ab. Er verschrieb mir
ein Antidepressivum und rief auf einer Station an die für mich geeignet
erschien. Kurz darauf wurde ich von einer freundlichen Schwester abgeholt. Die
Station war im zweiten Stock, der Gang war hell erleuchtet mit mehreren
Sitzgelegenheiten er machte einen warmen und gemütlichen Eindruck. Das Zimmer
das mir zugeteilt wurde war ein Zweibettzimmer. Es befanden sich "normale"
Betten darin keine Krankenhausbetten. Bis auf das Schwesternzimmer erinnerte
nichts von der Einrichtung auf der Station an ein Krankenhaus was mich sehr
freute.
Etwa eine halbe Stunde später kam der für mich zuständige Psychologe. Wir
unterhielten uns in einem eigen Raum, sprachen vor allem über meine Depression
was für eine Art von Station das war und wie die Behandlung aussehen würde. Ich
fühlte mich erstmals erleichtert das ich offen mit jemanden sprechen konnte ,
über meine Selbstmordgedanken wollte ich jedoch kaum was sagen. Ich wollte mich
nicht zu sehr in die Hände anderer begeben.
Auf der Station herrschte ein ziemlicher Trubel da gerade Faschingsdienstag war
und eine Art Party gegeben wurde. Ich wollte damit jedoch nichts zu tun haben
und wollte vor die Türe um ein zu Rauchen. An der Türe wurde ich von einer
Schwester aufgehalten und sie sagte mir das es nicht üblich sein würde das ein
Patient am ersten Tag die Station wieder verlassen dürfe. In mir regte sich
großer Widerstand ich hielt es für einen Fehler das ich ins Krankenhaus gegangen
war. Fest entschlossen am nächsten Tag wieder nach Hause zu fahren verbrachte ich
den Tag damit im Raucherzimmer zu sitzen und mich zu ärgern. Ich saß bis weit
nach Mitternacht im Raucherzimmer bis die Schlaftablette zu wirken begann. Am
nächsten morgen sagte ich zur Schwester das ich wieder nach Hause möchte. Sie
sagte mir ich müsse vorher erst mit dem Arzt darüber sprechen. Der Arzt kam dann
auch kurze Zeit darauf. Er wollte wissen warum ich wieder gehen wolle und ich
erzählte ihm davon wie ich versuchte die Station zu verlassen. Er bot mir
Ausgang an wen ich noch ein paar Tage bleiben würde und nach einigem zureden
willigte ich schließlich ein zu bleiben. In den darauf folgenden Tagen trafen
wir noch einige Verabredungen mehr die mir den Aufenthalt erleichtern sollten.
Bis auf ein paar Kleinigkeiten war ich mit der Behandlung sehr zufrieden. Es
dauerte jedoch mehrere Wochen bis ich volles Vertrauen zu meinem Arzt und meinen
Therapeuten fassen konnte. Mehrer Wochen hat es gedauert bis ich mich in der
Lage fühlte an Therapien teilzunehmen, danach ging es mir, von einigen
Rückschlägen mal abgesehen, relativ gut. Ich entwickelte zunehmend eine
positivere Lebenseinstellung. Meine Stimmung wurde besser und ich begann mich
wieder am Leben zu freuen. Im nachhinein gesehen war ich froh darüber das ich
ins Krankenhaus gegangen war.
Auf einer Offenen Psychiatrischen Station
Der Tagesablauf ist auf jeder Station etwas anders im großen und ganzen aber
fast überall gleich
07.00 Uhr Aufstehen
07.30 Uhr Frühstück auf einigen Stationen gibt es sogar ein kleines Frühstücks
Büffet mit Müsli, Cornflakes usw.
09.00 Uhr Gymnastik hier sollte eigentlich jeder dabei sein; es ist mir jedes
Mal gelungen mich davor zu drücken
09.30 Uhr Ergotherapie eine Art Bastelstunde für erwachsene; die Möglichkeiten
der Beschäftigung reicht von einfachem malen, fertigen von Tonskulpturen,
Handarbeiten bis zu arbeiten mit Holz oder Metall
11.00 Uhr Visite abwechselnd Einzel oder Gruppenvisite ( je nach Station 1-5 mal
die Woche)
11.30 Uhr Entspannung hier wird in der Gruppe entspannt
12.00 Uhr Mittagessen das übliche Krankenhausessen
So in etwa sieht ein Vormittag aus wobei noch Sachen wie Spaziergänge oder
Kochgruppen usw. zur Abwechslung dienen. Meist gibt es nach dem Frühstück noch
eine Morgenrunde wo sich alle zusammensetzen und den Tagesablauf usw.
besprechen.
Am Nachmittag gibt es dann Dinge wie Gruppentherapie, Kognitivgruppe oder
einfach eine Kaffeerunde.
Einzelgespräche oder Einzeltherapie werden noch gesondert geführt
Auf der Geschlossenen Psychiatrischen Station
7.30 Uhr Frühstück 2 Semmeln, Kaffe ( sofern die Brühe diesen Namen verdient)
11.00 Uhr Visite
12.00 Uhr Mittagessen
17.00 Uhr Abendessen
Wie es sicherlich auffällt gibt es so gut wie keine Art der Beschäftigung auf
der geschlossenen Station. Es gibt am Morgen eine kurze Morgenrunde und an
Vormittag die sehr eingeschränkte Möglichkeit der Ergotherapie . Ansonsten gab
es keinerlei Möglichkeit der Beschäftigung! Auch fehlte vollkommen die
Möglichkeit zu Therapeutischen Gesprächen.