
Tod
Komm mein Freund, umarme mich, wärme mich in deinen Armen. Bring mich fort,
fort aus dieser Realität. Zeige mir was du gesehen! Vielleicht kann ich dann
das warum begreifen und endlich verstehen. Begleite mich durch die Dunkelheit,
durch die Kälte, ganz gleich wohin, nur weg von hier! Nicht so sehr von
Bedeutung wohin, wichtig nur das du mich begleitest. Selbst der Weg dorthin,
in deinem Arm, ist vielleicht schon eine Erlösung, um endlich Ruhe zu finden .
(Abaddon)
Einsamkeit
Wenn du nicht weist mit wem sprechen, mit wem deine Gedanken, Träume ja Ängste
teilen. Wenn du zu zweit alleine bist und dich nur die Dunkelheit tröstet dann
bist du Einsam.
Dunkelheit
Dunkelheit die wie unendliche Schatten aufzieht, sich wie ein Schleier um mich
legt, mich mit Versprechungen von Ruhe lockt. Zuerst noch gefürchtet doch nun
begrüßt, diese Dunkelheit, das einzige Licht das ich noch sehen kann, noch
sehen will .
(Abaddon)
Wenn sich die Seele wie in einem Novembertag widerspiegelt. Kalt, düster,
Nebel zieht vorüber, der Wind bläst die Schwaden fort nur um bald die nächsten
mit sich zu Bringen. Ein grauer Ort, fast schon könnte man meinen, man befindet
sich bereits im Jenseits. Hinter der nächsten Nebelwand, die der Wind verweht,
wartet bereits der Sensenmann. Sein knöchernes Antlitz von Kapuze und Umhang
verschleiert. Wartet er bereits, mich in seinem Reiche zu begrüßen .
(Abaddon)
Schlafes Bruder
Schlafes Bruder, wo bist du? Schlafes Bruder wann endlich kommst du mich
zu umarmen? Mich zu geleiten ins unbekannte Nirwana, wo ich hoffe zu finden
wonach ich mich so sehr sehne. Will doch nur Ruhe und etwas Wärme! Wärme die
mir hier zu geben Niemand vermag?
(Abaddon)

Im Nebel
Seltsam im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, kein Baum sieht
den andern, Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt, als noch mein Leben licht war; nun, da der
Nebel fällt , ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt, das unentrinnbar und
leise Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den
andern, jeder ist allein.
( Hermann Hesse )
Krankheit
Willkommen Nacht! Willkommen Stern! Mich dürstet nach Schlaf, ich kann nimmer
wachen, ich kann nimmer denken, nimmer weinen und lachen, nur schlafen möcht ich
gern, Schlafen hundert, tausend Jahr, und über mir gehen die Sterne hin; Meine
Mutter weiß, wie ich müde bin, Beugt sich lächelnd herab, hat Sterne im Haar.
Mutter, lass nimmer tagen, Lass keinen Tag mehr zu mir herein! So böse, so Feind
ist sein weiser Schein, Ich kann es nicht sagen. So viel lange heiße Straßen
bin ich gegangen, Mein Herz ist ganz verbrannt - öffne mir, Nacht, führ mich in
Todes Land, Ich habe kein andres Verlangen, Ich kann keinen Schritt mehr gehen,
Mutter Tod, gib mir die Hand, Lass mich in deine unendlichen Augen sehen!
(Hermann Hesse)

Es gibt weder Glück noch Unglück auf dieser Welt , sondern nur den Vergleich des
einen Zustandes mit dem anderen . Nur derjenige , der das tiefste Unglück
empfunden hat , ist fähig , das höchste Glück zu begreifen und zu würdigen . -
man muss den Tod gewollt haben um zu wissen , wie gut es ist zu leben !
(Alexandre Dumas )

Der Gedanke an den Selbstmord ist ein starkes Trostmittel ; mit ihm kommt man
über manche böse Nacht hinweg .
( Nietzsche : Jenseits von Gut und Böse )
Der Wanderer
Wer nun einigermaßen zur Freiheit der Vernunft gekommen ist , kann sich auf
Erden nicht anders fühlen denn als Wanderer ,- wenn auch nicht als reisender
nach einem letzten Ziele : denn diese gibt es nicht . Wohl aber will er zusehen
und die Augen dafür offen haben , was alles in der Welt eigentlich vorgeht;
deshalb darf er sein herz nicht allzufest an alles Einzelne anhängen ; es muss
in ihm selber etwas Wanderndes sein , das seine Freude an dem Wechsel und der
Vergänglichkeit habe . Freilich werden einem solchen Menschen böse Nächte kommen
, wo er müde ist und das Tor der Stadt , welche ihm Rast bieten sollte ,
verschlossen findet ; vielleicht dass noch dazu , wie im Orient , die Wüste bis
an das Tor reicht , das die Raubtiere bald ferner , bald näher her heulen , Dass
ein starker Wind sich erhebt , Dass Räuber ihm seine Zugtiere wegführen . Dann
sinkt für ihn wohl die schreckliche Nacht wie eine zweite Wüste auf die Wüste ,
und sein Herz wird des Wanderns müde . Geht ihm dann die Morgensonne auf ,
glühend wie eine Gottheit des Zornes , öffnet sich die Stadt , so sieht er in
den Gesichtern der hier Hausenden vielleicht noch mehr Wüste , Schmutz , Trug ;
Unsicherheit als vor den Toren - und der Tag ist fast schlimmer als die Nacht .
So mag es wohl einmal den Wanderer ergehen ; aber dann komme , als Entgelt , die
wonnevollen Morgen anderer Gegenden und Tage wo er schon im Grauen des Lichtes
die Musenschwärme im Nebel des Gebirges nahe an sich vorübertanzen sieht , wo
ihm nachher , wenn er still , in dem Gleichmaß der Vormittagsseele , unter
Bäumen sich ergeht , aus deren Wipfeln und Laubverstecken heraus lauter gute und
helle Dinge zugeworfen werden , die Geschenke aller jener freien Geister , der
in Berg , Wald und Einsamkeit zu Hause sind und welche , gleich ihm , in ihrer
bald fröhlichen , bald nachdenklichen Weise , Wanderer und Philosophen sind .
Geboren aus den Geheimnissen der Frühe , sinnen sie darüber nach , wie der Tag
zwischen dem zehnten und zwölften Glockenschlage ein so reines , durchleuchtetes
, verklärt-heiteres Gesicht haben könne :- sie suchen die Philosophie des
Vormittages .
( Friedrich Nietzsche )

Vom Stundenzeiger des Lebens
Das Leben Besteht aus seltenen einzelnen Momenten von höchster Bedeutsamkeit und
unzähligen vielen Intervallen , in denen uns bestenfalls die Schattenbilder
jener Momente umschweben . Die Liebe , der Frühling , jede schöne Melodie das
Gebirge , der Mond , das Meer - Alles redet nur einmal ganz zum Herzen : wenn es
überhaupt je ganz zu Worte kommt . denn viele Menschen haben jene Momente gar
nicht und sich selber Intervalle und Paus in der Symphonie des wirklichen Lebens
.
(Friedrich Nietzsche)
Das Angenehme ...
Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen, Der Jugend Freuden sind wie lang!
wie lang! verflossen, April und Mai und Junius sind ferne, ich bin nichts mehr,
ich lebe nicht mehr gerne.
(Friedrich Hölderlin)

Der Tod wird kommen
Der Tod wird kommen und deine Augen haben, dieser Tod, der uns begleitet von
morgens bis abends, schlaflos, dumpf, wie ein alter Gewissensbiss oder ein
toerichtes Laster. Und deine Augen werden ein leeres Wort sein, ein
verschwiegener Schrei, ein Schweigen. So siehst du sie jeden Morgen, wenn du
dich ueber dich neigst, mit dir allein im Spiegel. O teuere Hoffnung, an jenem
Tage werden auch wir es wissen, dass du das Leben bist und das Nichts . Für alle
hat der Tod einen Blick. Der Tod wird kommen und deine Augen haben. Das wird
sein wie das Ablegen eines Lasters, wie wenn man ein totes Gesicht wieder
auftauchen sieht im Spiegel, oder auf eine verschlossene Lippe horcht. Wir
werden stumm in den Strudel steigen.
(Cesare Pavese)
Nur ist es der Tod unter den verächtlichsten Bedingungen , ein unfreier Tod ,
Ein tot zur unrechter Zeit , ein Feiglings-Tod .Man sollte , aus Liebe zum Leben
, den Tod anders wollen , frei , bewusst , ohne Zufall , ohne Überfall
.......Wir haben es nicht in der Hand zu verhindern , Geboren zu werden : aber
wir können diesen Fehler - denn bisweilen ist es ein Fehler- wieder gutmachen .
Wenn man sich abschafft , tut man die achtungswürdigste Sache die es gibt :man
verdient beinahe damit , zu leben.....
(Nietsche: Götzen-Dämmerung)

Lied des Selbstmörders
Also noch einen Augenblick. Dass sie mir immer wieder den Strick zerschneiden.
Neulich war ich so gut bereit Und es war schon ein wenig Ewigkeit In meinen
Eingeweiden.
Halten Sie mir den Löffel her, diesen Löffel Leben. Nein, ich will und ich will
nicht mehr, Lasst mich mich übergeben.
Ich weiß, das Leben ist gar und gut Und die Welt ist ein voller Topf, aber mir
geht es nicht ins Blut, Mir steigt es nur zu Kopf.
Andere nährt es, mich macht es krank; begreift, dass man's verschmäht.
Mindestens ein Jahrtausend lang Brauch ich jetzt Diät
( Rainer Maria Rilke)

Zitate Artur Schopenhauer
Die Welt gleicht Sartres 'geschlossener Gesellschaft', sie ist eine " Hölle ,
und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die
Teufel darin "
******
"Wenn in schweren, grauenhaften Träumen die Beängstigung den höchsten Grad
erreicht, so bringt eben sie selbst uns zum Erwachen, durch welches alle jene
Ungeheuer der Nacht verschwinden. Dasselbe geschieht im Traume des Lebens, wann
der höchste Grad der Beängstigung uns nötigt, ihn abzubrechen."
******
"Wenn das Leben an sich selbst ein schätzbares Gut und dem Nichtsein entschieden
vorzuziehen wäre, so brauchte die Ausgangspforte nicht von so entsetzlichen
Wächtern, wie der Tod mit seinen Schrecken ist, besetzt sein ."
*******
Da der Mensch nicht wie das Tier 'nur' den körperlichen, auf die Gegenwart
beschränkten, sondern auch den ungleich Grosseren, " von Zukunft und
Vergangenheit erborgten " geistigen Leiden preisgegeben ist, hat ihm die Natur "
als Kompensation das Vorrecht verliehen, sein Leben, auch ehe sie selbst ihm ein
Ziel setzt, beliebig enden zu können und demnach nicht wie das Tier notwendig,
solange er kann, sondern auch nur, solange er will, zu leben "
******
Für uns ist und bleibt der Tod ein Negatives - das Aufhören des Lebens; allein,
er muss auch eine positive Seite haben, die jedoch uns verdeckt bleibt, weil
unser Intellekt durchaus unfähig ist, sie zu fassen. Daher erkennen wir wohl,
was wir durch den Tod verlieren, aber nicht, was wir durch ihn gewinnen."
******
"Die empirische Erkenntnis legt unverhohlen den Tod als das Ende dieses
zeitlichen Daseins dar. Das Ende der Person ist ebenso real, wie es ihr Anfang
war, und in eben dem Sinne, wie wir vor der Geburt nicht da waren, werden wir
nach dem Tod nicht mehr sein."
******
"Inzwischen ist der Tod des Individuums die jedesmalige und unermüdlich
wiederholte Anfrage der Natur an den Willen zum Leben: >Hast du genug?

Die große dunkle Ruh
Sinkt über meine Brust: Schlaf ein, mein Hoffen du, Und du auch, süße Lust.
Ich sehe nimmer klar Und weiß schon lang nicht mehr , Was gut , was böse war; O
Dasein, trüb und leer.
Von sanfter Hand gewiegt. Ich eine Wiege bin, ins Dunkel eingeschmiegt; O
Schweigen, nimm mich hin!
(Paul Verlaine)

>> Wer abspringt , ist nicht notwendigerweise dem Wahnsinn , verfallen , ist
nicht einmal unter allen Umständen >gestört< . Der Hang zum Freitod ist keine
Krankheit , von der man geheilt werden muss wie von den Masern ...... Der
Freitod ist das Privileg des Humanen .<<
(Jean Amery)
Der Freitod soll anerkannt werden als das was er ist - ein freier Tod eben und
eine hochindividuelle Sache, die zwar niemals ohne gesellschaftliche Bezüge
vollzogen wird, mit der aber letztlich der Mensch alleine ist, vor der die
Sozietät zu schweigen hat.
(Jean Amery)

Es ist besser, eigenen Gesetzen folgend, Zugrundezugehen, als behütet, dirigiert
und manipuliert ein fragliches "Wohlergehen" zu erleiden.
(Hesse)
Eine äußere Zwangsmaßnahme zur angeblichen stützung des moralischen
Lebenswillens ist selbst unmoralisch.
( Kant)

Das der Mensch ein "Recht" auf Selbstmord hat, darf nicht bestritten werden.
Durch die Fähigkeit der Selbstreflektion hat er die Begrenztheit seiner Existenz
und die Möglichkeit, sie selbst zu beenden, erfasst.
(Erwin Ringel)
Früher pflegte ich zu sagen: "Besser gegen den eigenen Willen am Leben gehalten
(z.B.. durch Zwangseinweisung) als ohne die Gewaltanwendung der
Selbstvernichtung zum Opfer gefallen." Heute würde ich dies so generell nicht
mehr aufrecht erhalten.
(Erwin Ringel)