Selbstmord oder Freitod?
Selbstmord bedeutet soviel wie Mord an sich Selbst. Ich ermorde mich Selbst.
Ein Widerspruch in sich selbst.
Mord ist laut Lexikon die vorsätzliche Tötung eines Menschen aus niederen
Beweggründen( Habgier, Mordlust, Heimtücke, Grausamkeit)
Was hat Mord mit dem Akt des sich selbst Auslöschens zu tun?
Niemand tötet sich selbst aus Gründen die einen Mord definieren!
Freitod
In der Psychologie gibt es so etwas wie den Freitod nicht!
Die "Gelehrten" sind sich weitgehend darüber einig das es den Freitod nicht gibt
da ein Selbstmord immer von Krisen, egal welcher Art, äußeren Zwangszuständen,
psychiatrischen Erkrankungen aufgezwungen wird! In ihrer Fachsprache fallen
dann Begriffe wie:
Psychische Erkrankung ( Depression, Schizophrenie, Borderline,
Psychose usw.),
Präsuizidales Syndrom ( Affektive (Gefühlsmäßige) Einengung,
Tunnelblick), Zeitraum vor einer Selbsttötungshandlung, in dem diese sich durch
zunehmende psychosoziale Änderungen im Verhalten u. Empfinden ankündigt;
insbesondere zunehmende psychische Einengung, gehemmte u. gegen die eigene
Person gerichtete Aggressivität, Suizidfantasien.
Suchterkrankungen (Alkohol, Drogen, Medikamente)
Narzisstische Krise (Narzissmus=Selbstliebe; Unausgeglichenheit,
Selbsthass, Unzufriedenheit mit sich Selbst, Selbstunsicherheit)
Arbeitslosigkeit
Fehlende Lebensinhalte
Religiöse Motivation. ( der Wunsch nach Reinkarnation,
Himmelreich, Selbstmordattentäter)
Meist wird dann mit so genanten Fallbeispielen argumentiert, die diese Thesen zu
Beweisen scheinen. In der Regel wird das auch der Fall sein. In den meisten
Fällen wird das oben Gesagte auch zutreffen. Es sind Fälle bekannt,
wahrscheinlich die Mehrzahl, die nach einem erfolglosem Suizidversuch froh
darüber sind gerettet worden zu sein, selbst wenn sie nach ihrem Suizidversuch
ihrer Freiheit beraubt worden sind, sprich auf einer geschlossenen Station
untergebracht waren. Dies trifft vor allem auf so genannte "Kurzschluss
Suizidversuche" zu. Auch gibt es Menschen die mit ihrem Selbstmordversuch
Aufmerksamkeit oder Hilfe erreichen wollen. Es gibt sogar Menschen die ihr
eigenes Leben als "Pfand" einsetzen und es zur Erpressung missbrauchen.
Gibt es also so etwas wie den Freitod, also den freien Willen, die freie
Entscheidung zu sterben, gar nicht?
Ist jeder missglückte Selbstmordversuch nichts weiter als ein Schrei nach Hilfe,
ein buhlen um Aufmerksamkeit, gar eine Erpressung oder mehr eine Zuspitzung, ein
neuerlicher Schub, einer psychischen Erkrankung wie es Psychiater und
Psychologen behaupten?
Es gibt den so genannten Bilanzsuizid. Also den Freitod nach eingehender,
langer, Überlegung des für und wieder, nach genauer Gewichtung der einzelnen
"Punkte".
Ich persönlich bin der Meinung es gibt den Freitod. Also den freien Willen sein
Leben bewusst zu beenden, frei von äußeren und inneren Zwängen und Einflüssen.
Weiteres bin ich der Meinung das der Freitod ein Ausdruck höchster
Individualität, Selbstbestimmung und großer Freiheit sein kann.
Des Menschen höchstes Gut ist die Freiheit. Die Freiheit sein Leben zu leben
oder es enden zu lassen!
Bei meinen letzten Freitodversuchen war ich weder depressiv noch irgendwie
eingeengt in meiner Entscheidungskraft noch wollte oder brauchte ich Hilfe,
weder wollte ich jemanden erpressen noch suchte ich Aufmerksamkeit. Aus all den
Möglichkeiten die mir zur Verfügung standen und stehen und voll der Tatsache
bewusst welche Auswirkungen mein Freitod auf andere hatte und hat , wählte ich
den Freitod als gangbaren Weg. Zum Alternativ dessen was man allgemein hin als
Leben bezeichnet.
Der Freitod sollte nur gewählt werden wenn alle anderen Alternativen bereits
versucht worden sind. Erst wenn wirklich alle Alternativen, professionelle Hilfe
eingeschlossen fehl geschlagen haben und zu dem noch geraume Zeit vergangen
ist, sollte man sich zum Freitod entschließen. Bei mir dauerte die Entwicklung
zum Entschluss mehrere Jahre. Trotz 5 Aufenthalten auf Psychiatrischen Stationen
, welche bis zu 2 Monate dauerten.
In seinen Überlegungen sollte man auf jeden Fall mit einbeziehen ob man wirklich
sterben möchte , also seine Existenz damit auslöschen will, oder man "NUR" eine
momentane ( vorübergehende) Situation ( Sinnlosigkeit des Lebens, Krise sprich
unerträglichen Lebensabschnitt) beenden möchte.
Man sollte sich sicher sein das man seinen Freitod zu einem anderen Zeitpunkt
und unter anderen Umständen nicht bereuen würde!

Der Mensch ist das einzige Lebewesen das bewusst und frei den eigenen Tod
herbeiführen kann.
Ist der Mensch der diese Möglichkeit oder besser gesagt diese letzte große
Freiheit für sich in Anspruch nimmt immer geisteskrank, gestört oder verwirrt?
Das mag auf einige wahrscheinlich auf den Großteil zutreffen, bei weitem aber
nicht auf alle! Müssen deshalb alle dem Freitod geneigten psychiatriert werden
sogar gegen ihren Willen? Müssen sie behandelt werden weil sie nicht in die
gesellschaftliche Norm passen, weil ihr Verhalten, ihre Gedanken, sich von der
Masse der Menschen der so genannten "Normalen" abweicht?
Ist jemand der viel raucht, und so Selbstmord auf Raten begeht, ungeschützten
Sex mit wechselnden Partnern hat, jemand der riskant Auto fährt und sich nicht
anschnallt oder all die unzählig Anderen die ein gewisses " Todes Risiko"
eingehen, geisteskrank, gestört oder verwirrt? Sicher sie handeln nicht in
suizidaler Absicht. Aber sie nehmen die Möglichkeit des Todes billigend
in kauf. Gehören diese Menschen nicht auch " psychiatriert"? Da sie nicht der
gesellschaftlichen Norm entsprechen? Gefährden diese Menschen nicht auch sich
Selbst und Andere ernstlich und erheblich?
Wer sind diese "Menschen" die von sich behaupten entscheiden zu können was
normal ist und was eine gesellschaftliche Norm ist?
Das der Mensch ein "Recht" auf Selbstmord hat, darf nicht bestritten werden.
Durch die Fähigkeit der Selbstreflektion hat er die Begrenztheit seiner Existenz
und die Möglichkeit, sie selbst zu beenden, erfasst.
(Erwin Ringel)